Die Relativitätstheorie
1916 veröffentlichte Einstein seine allgemeine Relativitätstheorie.
Sie bezieht sich auf die Thematik der Schwerkraft und liefert Erklärungen
für einige Probleme der Newtonschen Physik. Sie ist im wesentlichen
eine Erweiterung der speziellen Relativitätstheorie und behandelt Systeme
in beschleunigter Bewegung. Sie bildete die Basis der gesamten Kosmologie
des 20. Jahrhunderts. Die spektakulärste Konsequenz aus der allgemeinen
Relativitätstheorie war, dass die Schwerkraft nicht nur eine Naturkraft
ist, die bewirkt, dass Körper einander anziehen, sondern dass sie die
"Krümmung" von Raum und Zeit durch physikalische Massen ist. Sie zog
ein vollkommen anderes Verständnis von Raum und Zeit nach sich.
Hatte man in den ersten Kriegsjahren der Arbeit und der Geisteshaltung
Einsteins mit äußerster Zurückhaltung genübergestanden, und ihm vieles
nur deshalb verziehen, weil er ein Schweizer Bürger war, so änderte
sich dies, als die deutsche Niederlage 1918 besiegelt war. Man war stolz
auf Einstein. Die Nation der Dichter und Denker rechneten ihn zu den
ihren. Die sachlich orientierten Engländer hatten schon während des
Krieges das Außergewöhnliche an Einsteins Lehren erkannt. Ihr geistiger
Führer Eddington sah damals eine besondere Aufgabe darin, der Würdigung
von Lehren, die aus dem Land des Feindes stammten, zum Durchbruch zu
verhelfen, um der Völkerverständigung zu dienen.1919, das Jahr einer
totalen Sonnenfinsternis, wurde eine Expedition aufgestellt. Während
der Verfinsterung der Sonne durch den Mond zeigten photographische Aufnahmen
eindeutig, daß die von den benachbarten Fixsternen ausgesandten Lichtstrahlen
tatsächlich abgelenkt wurden, wenn sie das Schwerefeld der Sonne passierten.
Diese Lichtablenkung war von der Allgemeinen Relativitätstheorie vorausgesagt
worden. Einstein hatte eine Ablenkung von 1,75 Bogensekunden errechnet
(als 1952 die Expedition mit verfeinerten Meßgeräten im Sudan wiederholt
wurde, fanden die Forscher eine Ablenkung von 1,70 Bogensekunden heraus).
Durch diese Ergebnisse wurde Einsteins Ruhm in der ganzen Welt verbreitet.
Für die Physiker war es ein Markenstein in der Geschichte der Wissenschaft,
für viele ein Triumph des reinen Denkens.1921 erhielt Einstein den Nobelpreis
für Physik, aber erstaunlicherweise nicht für seine Relativitätstheorie,
sondern für Beiträge zur Quantentheorie.Die Kontroverse um seine Relativitätstheorie
wurde noch im Jahre 1922 so heftig geführt, daß der Sekretär der Schwedischen
Akademie der Wissenschaften in seinem Nobelpreis-Telegramm an Einstein
explizit darauf hinwies, daß die Relativitätstheorie nicht zu den Arbeiten
gehörte, für die er die Auszeichnung erhielt.
Beendet wurde der Streit erst in den dreißiger Jahren, als die Technik
so weit fortgeschritten war, daß Voraussagen der speziellen Relativitätstheorie
mit aus- reichender Genauigkeit verifiziert werden konnten. Mittlerweile
gibt es nicht den geringsten Zweifel mehr: Täglich werden mehr ab 1017
Elektronen in Teil- chenbeschleunigern an der Stanford University, der
Cornell University und an anderen Forschungseinrichtungen der Welt auf
Geschwindigkeiten bis zu 99,999999995 Prozent der Lichtgeschwindigkeit
beschleunigt. Das Verhalten der Elektronen bei diesen ultrahohen Geschwindigkeiten
steht in völliger Übereinstimmung mit den von Einstein in seiner speziellen
Relativitätstheorie for- mulierten physikalischen Gesetzen.
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Der Professor
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