Das Leben in Bern
Zwischen 1901 und 1904 vervollkommnete er seine Fähigkeiten als
Physiker durch theoretische Forschungen. Er beschäftigte sich mit
dem Wesen der Molekularkräfte in Flüssigkeiten und Metallen
sowie mit Forschungen zur Wärmelehre. Seine Erkenntnisse, die von
beträchtlicher Tragweite waren, veröffentlichte er in einer
Reihe von fünf Artikeln in Annalen der Physik, der angesehensten
physikalischen Fachzeitschrift des frühen 20. Jahrhunderts.
Die Arbeit im Patentamt in Bern war gut geeignet, Einsteins geistige
Fähigkeiten zu schulen. Bei seiner Tätigkeit war er gefordert,
sich zu überlegen, ob die eingereichten Erfindungen funktionieren
würden - eine Aufgabe, die ihm oft Freude machte und seinen Geist
schärfte. Außerdem ließ sie ihm die Hälfte seiner
wachen Zeit und die ganzen Wochenenden zur freien Verfügung. Diese
verbrachte er zumeist damit, über physikalische Probleme nachzudenken
- häufig inmitten eines familiären Chaos. Seine Fähigkeit,
sich trotz aller Ablenkungen zu konzentrieren, wurde einmal von einem
Studenten beschrieben, der ihn einige Jahre nach seiner Heirat zu Hause
besuchte: »Er saß in seinem Arbeitszimmer vor einer Menge
Papieren, die über und über mit mathematischen Formeln bedeckt
waren. Während er mit seiner rechten Hand schrieb, hielt er mit
der linken seinen jüngsten Sohn und beantwortete gleichzeitig die
unaufhörlichen Fragen seines ältesten Sohnes Albert, der mit
Bauklötzen spielte. In Bern lebte Einstein völlig isoliert
von anderen Physikern, jedoch hatte er einige enge Freunde unter Nichtphysikern,
mit denen er über Wissenschaft und Philosophie diskutieren konnte.
Für die meisten Physiker ist eine solche Isola- tion verheerend,
da sie den ständigen fachlichen Austausch mit Kollegen benötigen,
um bei ihren Forschungen nicht in Sackgassen zu geraten. Einsteins Intellekt
war jedoch andersgeartet. Er arbeitete allein weitaus produktiver als
in der Umgebung anderer Physiker.
Manchmal half es ihm, sich mit anderen zu unterhalten - nicht weil sie
ihm neue Einsichten oder Informationen vermitteln konnten, sondern weil
er sich über die Paradoxien und Probleme klar wurde, während
er sie anderen erklärte
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Das Einstein-Haus in Bern
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